Viele von Euch haben ja bereits unser Kochbuch „Bayerisch VEGGIE". Auch das Bayerische Fernsehen ist auf unser Buch gestoßen und wollte mit uns einen Beitrag drehen. Der Aufhänger seitens der Redakteure war, einfach mal zu schauen, was denn für Vegetarier in bayerischen Gaststätten angeboten wird. Den ganzen Beitrag → "Fleischlos glücklich im Wirtshaus" gibts übrigens in der BR Mediathek zu sehen. Viele von Euch werden sich jetzt denken, ist doch kein Problem, die sollen halt einen Salat essen. Mal ganz ehrlich, wollt Ihr immer das Gleiche in einem Restaurant essen? Uns haben ganz viele, die unser Buch bestellt haben, darauf angesprochen, wie schwierig es für sie oft ist, in „normalen" Wirtschaften ein gutes Veggie-Essen zu bekommen.

Aber zuerst mussten wir eine richtige Vegetarierin, die noch dazu Lust hatte, zwei Tage zu opfern, finden. Mit Anja von „LandIdee" hatten wir eine tolle Partnerin für die beiden Drehtage. Hier gleich mal ein herzliches DANKESCHÖN!!! Bei unserem ersten Telefonat erklärte sie mir, vegetarisches Essen in Gaststätten sei wirklich ein Problem; sie habe eben nicht immer Lust auf Salat oder Kässpatzn (anscheinend der Klassiker der Veggie-Küche ;). Auch seien die meisten Gerichte geschmacksbefreit, sprich wenig gewürzt oder mit frischen Kräutern versehen.

Vegetarisch essen in München

Los ging es in München, der Weltstadt mit Herz. Wir haben unzählige Speisekarten gelesen und waren auch in drei Lokalen beim Essen. Es ging nur um das Angebot der vegetarischen Küche, nicht um den Service, nicht um das andere Essen, nicht um das Ambiente ... Ok, also zum Service müssen wir jetzt doch noch einen Satz loswerden: Er war in zwei Lokalen top, in einem Lokal warf die Bedienung die Bierdeckel quer über den Tisch und weiter sagen wir zu dem dortigen Service nichts.

Also – wir haben sieben verschiedene Gerichte in den drei Lokalen getestet. Ehrlich, es war eine Herausforderung, nicht wegen der Menge, sondern wegen des Geschmacks. Nur ein Gericht war wirklich ok, bis auf die fehlenden Gewürze. Aber zumindest war der Kräuterpfannkuchen frisch zubereitet und es gab auch Gemüse dazu. Bei den Kässpatzn suchen wir heute noch den Käse ;), bei den Krautkässpatzen war zumindest ein wenig mehr Käse dabei, man konnte die Fäden, die ja das Maß aller Dinge bei Kässpatzn sind, sehen. Bei den „hausgemachten" Bandnudeln mit Schwammerln sah man auf den ersten Blick schon, dass diese total verkocht waren und der erste Griff ging, wie bei den anderen Gerichten, als erstes zu Salz und Pfeffer. Aber eines muss man sagen, sie waren zumindest heiß! Auch hat sich der Kellner beim Abservieren gleich zweimal entschuldigt, als er den fast vollen Teller sah und wir ihm sagten, dass die Nudeln verkocht waren. Da war der Service echt top, es gab auch vorgewärmte Teller. Eine Bemerkung nebenbei – wenn Ihr auf Speisekarten „hausgemacht" lest, dann heißt das noch lange nicht, dass z. B. die Nudeln selbstgemacht sind. Wenn Firmen ihre Nudeln als „hausgemacht" verkaufen, dann werden sie von den Restaurants eben so angepriesen. Auch so ein Topseller bei Speisekarten sind „gartenfrische" oder „marktfrische“ Salate. Tja, wir gehen mal davon aus, dass diese zum einem nicht im Garten der Wirtschaft geschnitten werden und zum anderen, dass der Großmarkt frische Salate verkauft ;)

Aber weiter mit unserem Testessen: Es ging mitten durch die Innenstadt zu einem wunderbaren Biergarten. Dort bestellten wir, Ihr könnt es euch fast schon denken, „hausgemachte" gefüllte Teigtaschen in Schwammerlsoße und Reis-Quinoa-Taler mit Tomatensoße. Also, wenn innerhalb von fünf Minuten Gerichte serviert werden, dann läuten ja gleich ein wenig die Alarmglocken. Diesmal waren sie allerdings nur lauwarm. Die Teigtaschen wurden in einer pampigen, geschmackslosen Schwammerlsoße ertränkt, das Gericht garniert mit Suppengemüse (kommt dort aber auch auf Fleischgerichte ;)). Noch ein Wort zu den „hausgemachten" Teigtaschen – es waren einfach ganz normale, mit Spinat gefüllte Maultaschen, die man in jedem Supermarkt bekommt. Die Taler schwammen in der Tomatensoße. Zum Abschluss gönnten wir uns noch einen Kaiserschmarrn und der wurde tatsächlich frisch zubereitet! Das müssen wir wirklich erwähnen, denn dies ist leider nicht immer der Fall, es gibt inzwischen so gut wie alles als TK-Produkt.

Vegetarisch essen am Berg

Am 2. Tag ging es auf ein Bergrestaurant. Unsere arme Anja hatte anscheinend immer den Joker gezogen, sie hatte sich Spinatknödel mit Butter bestellt. Diese wurden wahrlich in der Butter ertränkt. Die anderen Gerichte waren Kaiserschmarrn, Reiberdatschi und ein Salat mit einem Grillkäse. Sie waren ok, wobei wir uns diese nicht mehr bestellen würden.

Dann ging es ab zu uns. Bitte versteht uns nicht falsch, wir sind wahrlich nicht die Retter der Veggie-Küche und wir wollen uns überhaupt nicht als die miesepetrigen Kritiker aufspielen. Wir kannten weder die Gaststätten vorher noch haben wir uns mit dem Thema beschäftigt, aber es war einfach ernüchternd! Wir haben für Anja einen Brezen-Radieserl-Salat zubereitet. Dieser kann wirklich super vorbereitet werden und Brezen bleiben doch in jedem Restaurant mal übrig. Als nächstes gab es unsere Beluga-Linsen-Soß mit viel Tomaten, Kräutern und bissfest gegarten Nudeln. Also zwei Gerichte mit regionalen Zutaten, für jedermann nachkochbar.

Vegetarisch essen am Land

Aber natürlich wollten wir auch ein best-practise Beispiel zeigen und fuhren zum Abschluss zum → Gasthaus Goldener Stern nach Rohrbach/Friedberg. Das Lokal können wir einfach nur empfehlen. Es bietet köstliche, authentische bayerische Küche mit ganz viel Kreativität und dem richtigen Touch an Innovation. Neben deftigen Fleischgerichten kommen hier wunderbar vielseitige, vegetarische Gerichte auf den Tisch bzw. zum Gast. Angefangen hat der Genussabend mit Ziegenfrischkäse, eingelegten Radieserln und Fichtensirup, weiter ging es mit wirklich selbstgemachten Nudeltaschen, gefüllt mit Erbsenpüree und dazu gab es feinen Spargel. Beim Dessert wurden wir mit einem fruchtigen Sorbet und einem feinen Holunderschnittchen verwöhnt, alles mit Blüten und Kräutern aus dem Garten garniert. (ehrlich, die haben einen eigenen Wildkräutergarten). Das alles zu einem angemessenen Preis. Unsere Vegetarierin Anja war so was von begeistert ... endlich mal feine, vegetarische Küche, toll abgeschmeckt und abwechslungsreich. Tja, da könnten sich so manche Wirtshäuser eine Scheibe abschneiden …

Nun haben wir für Euch natürlich noch die Rezepte für den Breznsalat und die Nudeln mit Beluga-Linsen-Soß zum Nachkochen parat. Und weil wir Euch noch zusätzlich was Gutes tun wollen – denn man weiß ja nie, was man so vorgesetzt bekommt ;) – gibts ein sehr gutes Rezept für gscheide Kässpatzn!!! 

Breznsalat

2–3 Brezen, 1–2 EL Rapsöl
100 g Erbsen, 100 ml Gemüsebrühe
1 Bund Radieserl
Dressing: 3 EL Weißweinessig, 4 EL Rapsöl, 1 TL Kräutersenf, Salz, Pfeffer
Zum Anrichten: Kresse

Die Brezen in Scheiben schneiden und im heißen Öl knusprig braten.
Die Erbsen in der Brühe bissfest garen und abgießen.
Die Radieserl waschen, putzen und in Scheiben schneiden. Mit den Brezen und den Erbsen in Schüsselchen anrichten.
Die Zutaten für das Dressing miteinander verrühren. Über den Salat geben und mit der Kresse bestreuen.

Linsen-Tomatensoß mit Nudeln

1 Gelbe Rübe, ¼ Knollensellerie, 1 Zwiebel, 2 EL Rapsöl
Salz, Pfeffer, Oregano
2 EL Tomatenmark, 500 g stückige Tomaten, 100 ml Weißwein
100 g Beluga-Linsen, 300 ml Gemüsebrühe

400 g schmale Bandnudeln

Gelbe Rübe, Sellerie und Zwiebel schälen und in sehr feine Würfel schneiden. Im heißen Öl andünsten und würzen.
Das Tomatenmark einrühren. Die stückigen Tomaten und den Wein zufügen und 10 Min. einkochen lassen.
Die Linsen mit der Brühe zufügen und 20 bis 30 Min. bei schwacher Hitze köcheln lassen.
Die Nudeln in reichlich Salzwasser nach Packungsanleitung bissfest kochen und abgießen.
Die Soße nochmals abschmecken und mit den Nudeln anrichten.

Allgäuer Kässpatzn

Spätzleteig: 500 g Mehl, 2 TL Salz, 6 Eier, 150–250 ml Mineralwasser
Zum Anrichten: 2–3 Zwiebeln, 100 g Butter
200 g Romadur, 200 g geriebener Bergkäse, Schnittlauch

Aus den Teigzutaten mit den Knethaken des Handrührgerätes einen Spätzleteig herstellen. Der Teig sollte zäh reißend sein. Kurz ruhen lassen.
Die Zwiebeln schälen, in kleine Würfel schneiden und in der heißen Butter goldbraun rösten.
Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und den Teig mit einem Spätzlehobel portionsweise ins kochende Wasser hobeln. Wenn die Spätzle an die Wasseroberfläche kommen, sind sie fertig. Dann sofort mit einem Sieb entnehmen und in einer Schüssel abwechselnd mit den beiden Käsesorten schichten. Zum Schluss die Zwiebeln darübergeben, mit Schnittlauch bestreuen und sofort servieren.

Tipp: Den Spätzlehobel nach Gebrauch in kaltem Wasser einweichen, so lässt er sich leichter reinigen.

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